Die Wahrheit über Zeitarbeit

Wir suchen Ihnen Ihren Job!


60-Sekunden Bewerbung!

Auch nach dem Kompromiss über einen Mindestlohn für Zeitarbeiter stemmen sich die Gewerkschaften gegen die Branche, heute mit einem Aktionstag. Warum eigentlich?
Es gibt Professionen, mit denen lässt sich so viel Geld verdienen, dass man dafür sogar eine gewisse gesellschaftliche Ächtung in Kauf nimmt. Atomlobbyisten können davon ebenso ein Lied singen wie Investmentbanker oder erfolglose Dax-Manager. Und auch die Chefs der großen Zeitarbeitsunternehmen gehören in Deutschland zu jener Spezies, deren Job zwar lukrativ, aber alles andere als angesehen ist.

Der Gesetzgeber ist daran nicht unschuldig. Er hat die Arbeitnehmerüberlassung – so heißt die Zeitarbeit im Fachjargon – im Zuge der Hartz-Reformen von vielen Beschränkungen befreit. Die Branche erlebte daraufhin einen beispiellosen Boom, der (abgesehen von einer kurzen Unterbrechung in der Wirtschaftskrise) bis heute anhält. Derzeit stehen bei Unternehmen wie Randstad, Manpower oder Adecco rund 800.000 Beschäftigte auf den Gehaltslisten. Innerhalb von zehn Jahren verzeichnete die Branche ein Wachstum von 260 %.

Befürworter sehen die Zeitarbeit denn auch als „Motor des wirtschaftlichen Wachstums“, Kritiker hingegen monieren, ein solches Wachstum lasse sich nur durch einen Abbau von regulären Arbeitsplätzen erzielen.

Segen oder Fluch?

Vor allem die großen Gewerkschaften haben mit dem Modell der Arbeitnehmerüberlassung gewaltige Probleme. Zeitarbeiter sind kaum gewerkschaftlich organisiert, werden meist schlechter bezahlt als die Stammbelegschaft und ziehen so das Lohnniveau nach unten. Das schafft eine zweigeteilte Belegschaft in den Betrieben; ein Zustand, der den Gewerkschaften nicht eben in die Hände spielt. Kein Wunder, dass sich der DGB gegen Zeitarbeit stemmt, am heutigen Donnerstag mit einem bundesweiten Aktionstag.

Bei allen Liberalisierungstendenzen hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren auch einiges dafür getan, die Rechte der Leiharbeitnehmer zu stärken, zuletzt mit der Einigung über einen Mindestlohn. Der Kompromiss sieht vor, dass die Beschäftigten der Leiharbeitsbranche ab Mai 2011 als Stundenlohn mindestens 7,60 € (West) oder 6,65 € (Ost) erhalten sollen. Den Gewerkschaften ist das zu wenig. „Das Ergebnis ist beschämend für die beteiligten Parteien und schlimm für die Beschäftigten“, kritisiert der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel.
Anzeige
Experteer.de Das Headhunter-Netzwerk
10.000 Headhunter suchen Sie für Spitzenpositionen ab 60.000,00 €.
Aber wie sieht die Realität der Zeitarbeiter in Deutschland tatsächlich aus? Ist ihre Bezahlung wirklich so viel schlechter als die von herkömmlichen Arbeitnehmern? Wie sieht es mit der sozialen Absicherung aus? Und wie groß sind die Chancen eines Zeitarbeiters auf eine Übernahme in ein reguläres Arbeitsverhältnis?

FOCUS Online hat die wichtigsten Antworten zum Thema Zeitarbeit zusammengetragen.

Übersicht:

Mit wem schließen Zeitarbeiter ihren Arbeitsvertrag?

Zeitarbeitnehmer unterschreiben ihren Arbeitsvertrag immer bei der Zeitarbeitsagentur. „Dabei gelten die ganz normalen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel beim Kündigungsschutz“, sagt Kerstin Ziegler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Der Unterschied zu einer konventionellen Festanstellung besteht – rein rechtlich – vor allem darin, dass der Arbeitnehmer nicht bei seinem Arbeitgeber, sondern in anderen Betrieben arbeitet, an die ihn sein Chef für einen bestimmten Zeitraum verleiht.
„Der Zeitarbeitnehmer hat seinen Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen, und das Unternehmen hat Überlassungsverträge mit Kunden“, erläutert Michael Wehran vom Bundesverband Zeitarbeit (BZA): Je nach Bedarf würden die Zeitarbeitnehmer dann bei verschiedenen Kunden eingesetzt – so wie das in anderen Brachen auch üblich sei. „Jeder Handwerker ist es gewohnt, auf wechselnden Baustellen zu arbeiten. So ähnlich ist es auch in der Zeitarbeit.“

Diener zweier Herren

Durch diese Dreieckskonstellation haben Leiharbeiter im Grunde zwei Chefs, die sich den Job teilen: Auf der einen Seite steht die Zeitarbeitsagentur. Sie ist vor allem fürs Organisatorische zuständig: Bei ihr ist der Arbeitnehmer angestellt, von ihr bekommt er auch sein Gehalt. Anweisungen für das Tagesgeschäft erhalten die Betroffenen allerdings nicht von ihrem Brötchengeber, sondern von Chef Nummer zwei: dem Vorgesetzten am Einsatzort.
Er ist es auch, der mit dem Leiharbeitnehmer die Feinheiten des Einsatzes bespricht, also zum Beispiel die Dienst- und Pausenzeiten abstimmt und die genauen Anforderungen an den neuen Kollegen definiert. Peter Weck, Arbeitsrechtler der Kanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf: „Zeitarbeitnehmer müssen während ihres Einsatzes wie jeder fest angestellte Kollege auch Weisungen ihrer jeweiligen Vorgesetzten im Zielunternehmen befolgen.“

Folgen Sie uns auf Facebook

Facebook By Weblizar Powered By Weblizar

    Folgen Sie uns